Dr. A. – der blöde Arsch

2. Dezember 2022 – Termin bei Dr. A. (Psychiater)

Es gibt Erlebnisse, die ich schlecht einsortieren kann. Ich lasse den Gedanken zu, dass das nicht nötig ist. Jedenfalls nicht bei diesem Erlebnis. Der ganze Termin war komplett aus dem Ruder gelaufen, schon bevor ich ins Arztzimmer trat.

Der Termin hatte mich bereits einige Tage vorher in große Unruhe versetzt. Das ist so eine Art Unruhe, die nichts mildern kann, so scheint es. Das hängt mit der PTBS zusammen… frühkindliche, chronische Traumatisierung…

Es scheint mir müßig zu erklären, was mich genau beunruhigte und warum der Gedanke darüber zu sprechen, mich fast in Panik versetzte.

Ich kann das irgendwie verstehen, das war ja ich, der das passierte, die die aufsteigende Panik spürte. Ich vermute, dass sich das für andere nicht nachvollziehbar erklären lässt, es war eben nicht „vernünftig“, was da passierte. Psychische Erkrankung und so.

Es fing eigentlich alles sehr vielversprechend an. Einige Monate zuvor. Während des ersten Termins im Juli 2022 sagte Dr. A. mir, dass er mir helfen kann und wird. Er sagte noch viele andere einfühlende Dinge. Das führte dazu, dass ich einen guten Eindruck von ihm hatte – ich mich in guten Händen fühlte.

Hm, hm, im Dezember kam ich als Nervenwrack zum Termin und die Anspannung und der Stress steigerten sich. Ich denke mir, dass es für eine*n Psychiater*in nicht ungewöhnlich ist, dass Patient*innen die Nerven verlieren.

Es ist schwierig für mich zu beschreiben, wie ich mich verhielt. Wobei ich eigentlich ganz ruhig war, nach Außen, kein Gehampel oder Schreien. Ich wollte etwas sagen, was ich nicht aussprechen wollte und verhedderte mich, wollte es schnell los werden, aber es für mich behalten. Es ergab alles keinen Sinn und trotzdem redete ich weiter.

„Frau Heart, ich verstehe Sie nicht. Ich glaube, Sie haben eine Psychose.“

Bähm! Das kam unerwartet und traf mich hart. Eine Psychose? Eine Psychose? Nein, ich hatte keine Psychose, das war mir klar. Mir war auch klar, dass ich jetzt besser aufhören sollte, das zu erklären, was ich erklären wollte, wofür mir aber die Worte fehlten, um es Dr. A. begreiflich zu machen.

Da hatte ich also versucht, etwas zu sagen, was sich für mich als unaussprechlich herausstellte und erhielt die Verdachtsdiagnose Psychose.

„Sie sprechen wie Hölderlin.“

Einfühlend war das alles nicht und ich glitt innerlich in Panik ab.

Ich überspringe den Teil, in dem ich mich unwahrscheinlich zusammenriss und abwägte, wie ich mich verhalten könne, um den Raum ohne weitere Diagnose zu verlassen.

Es ist müßig darüber nachzudenken, wie es hätte anders laufen können. Wenn ich gesund wäre, hätte ich ohnehin keinen Termin bei Dr. A. gehabt. Wäre ich gesund und in eine vergleichbare Situation geraten, wäre ich aufgestanden und weggegangen, hätte noch ein paar passende Worte gefunden.

So ist das aber alles nicht. In Situationen, in denen ich mich massiv unter Druck gesetzt fühle, in denen ich extrem starken Stress spüre, da entgleitet mir ein Teil der Handlungsfähigkeit.

In diesem Moment hatte ich panische Angst, in die geschlossene Psychiatrie eingewiesen zu werden (im 1. OG des Gebäudes). Es ist mir klar, dass es so einfach nicht ist… Die Angst vernebelt die Vernunft.

Ich riss mich also zusammen und es gelang mir ganz gut, denn Dr. A. revidierte seine Diagnose. Er befürchtete jetzt, dass ich einen Hirnschlag haben könnte.

Ich schreibe das auf und wundere mich. Immer noch. In dem Moment dachte ich, dass Dr. A. … also, ich lasse aus, was ich dachte… Ich hatte auf jeden Fall sehr große Zweifel an seinem Diagnostik-Verfahren.

Die neue Verdachtsdiagnose beruhigte mich, ein Teil der Anspannung fiel von mir ab. Mit Hirnschlag würde er mich ins Krankenhaus schicken, Hirnschlag lässt sich als körperliche Erkrankung gut und sicher diagnostizieren. (Dass ich keinen Hirnschlag hatte, wusste ich.)

Es entwickelte sich tatsächlich noch ein Gespräch, das ich durchaus als angenehm bezeichnen würde, wenn all das davor nicht passiert wäre.

Ich fühlte mich Dr. A. komplett ausgeliefert und nahm mich komplett zurück, spielte eine Rolle, lächelte an den richtigen Stellen, ließ ihn reden und ging mit Selbstzweifeln und einem neuen Termin, den ich einen Tag später per Mail absagte.

Psychose. Das alles hat mich längere Zeit beschäftigt, das kann ich nicht einfach abschütteln. Zweifel, Zweifel, Zweifel.


Beitrag veröffentlicht

in

von

Schlagwörter:

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert