Sterbegeldversicherung

Wenn ich Anfang des Monats ins Online Banking schaue, bin ich immer wieder erstaunt, welche Beträge von diversen Versicherungen eingezogen werden. Letzte Woche dachte ich, dass ich das mal unabhängig überprüfen lassen sollte. Sind diese Versicherungen alle nötig? Und wenn ja, gibt es günstigere Varianten?

Das schiebe ich vorerst auf die To-do-Liste.

Eigentlich begann das ja alles mit dem Vorsatz, mich endlich um die Einkommensteuererklärung zu kümmern. Auch so ein leidiges Thema. Durch diverse Zwischenfälle habe ich die Ablage in den vergangenen zwei bis drei Jahren sehr vernachlässigt. Der Umzug vor einem Jahr tat sein Übriges, um die Aktenlage noch unübersichtlicher zu gestalten.

Am vergangenen Mittwoch begann ich damit, Ordnung in die Unterlagen zu bringen. Ich fand die Einladung zur Corona-Impfung für meinen Schwiegervater, der vor dem Termin verstarb (nicht an Corona). Mir fiel ein, dass ich bei der Hotline anrief, um den Termin abzusagen. Sehr pflichtbewusst von mir.

Ich fand diverse Impfzertifikate. (Ablegen oder wegwerfen?) Wie sehr ich die Impfungen herbeigesehnt hatte. „Dann wird alles gut werden.“ Was einen doch so alles durch schwere Zeiten tragen kann.

Ich fand ein Schreiben einer Versicherung. Ein Schreiben zu einer Sterbegeldversicherung, die meine Eltern für mich abgeschlossen haben. Vor langer, langer Zeit, die meine Eltern tatsächlich noch bezahlen (was ich durch das Schreiben vor etwa drei Jahren erfuhr) und die ich umgehend kündigen wollte. Das ist dann in Vergessenheit geraten. Diverse Zwischenfälle und so.

Ich schrieb direkt eine Kündigungsmail und erhielt sehr schnell Antwort. Wenn ich nicht kündige und die Zahlungen einstellen würde, würden immerhin 3.000 Euro in meinem Todesfall ausgezahlt werden. Wenn die Zahlungen fortgeführt würden, beliefe sich die Auszahlung im Todesfall auf 5.500 Euro. Bei Kündigung erfolge eine Auszahlung über 900 Euro. Ich solle also bitte nicht kündigen. Und falls ich doch kündigen würde, bitte per Brief.

Ich weiß nicht… Ich bin nie auf den Gedanken gekommen, eine Sterbegeldversicherung für meine Kinder abzuschließen. Meine Eltern haben einfach auf so vielen Ebenen versagt, haben aber eine Sterbegeldversicherung für mich abgeschlossen.

Ist es nicht ein komischer Gedanke, dass die Eltern, zu denen kein Kontakt besteht, (indirekt) für meine Beerdigung aufkommen würden?

Ich habe sehr viele Jahre darauf gehofft, dass sich das Verhältnis zu meinen Eltern normalisiert. Vergeblich. Heute staune ich darüber, wie beharrlich ich gehofft habe. Wenn sich nichts verändert, verändert sich nichts. So banal das klingt, so schwierig war es, das hinzunehmen und meine Hoffnungen aufzugeben.

Die Kündigung an die Versicherung habe ich letzte Woche eingeworfen.


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